04/2011 - Im Blick: Die Zukunft
Im Blick: Die Zukunft
Den Weg, den du vor dir hast, kennt keiner.
Nie ist ihn einer so gegangen, wie du ihn gehen wirst.
Es ist dein Weg. Unauswechselbar.
Du kannst dir Rat holen, aber entscheiden musst du.
Ulrich Schaffer
Viele Märchen und Begebenheiten der hl. Schrift erzählen davon, sich nicht umzudrehen auf dem Weg durch das Leben, auch nicht in der Gefahr. Symbolisch wird hier auf das Nach-vorn-ausgerichtet-Sein des Menschen und des Lebens hingewiesen, aber auch unsere Neigung in der Vergangenheit zu verharren, erst recht wenn die Zukunft bedrohlich erscheint. Denn so wie es unmöglich ist nicht zu kommunizieren, weil auch das Nicht-Kommunizieren eine Form der Kommunikation ist, so ist es gleichfalls unmöglich nicht in die Zukunft hinein zu leben.
In welche Zukunft wir gemeinsam als Familie, Gemeinde, Ethnie, Staat und schließlich Menschheit leben und welche Zukunft wir erleben, das setzt sich aus unendlich vielen Mosaiksteinchen zusammen. Auch das wird in vielen Aphorismen beschrieben, vom umfallenden Reissack in China angefangen, bis hin zu der Maus die den Mond anschaut; es bleibt nicht ohne Wirkung.
Was hat es also mit dem Zukünftigen auf sich, das für uns so existenziell ist? In jedem einzelnen von uns und in jeder Gruppierung bestehen entweder ausgesprochen und klar für alle, oder unausgesprochen und verborgen für die Beteiligten oder Zugehörigen ‚Bilder’ und Vereinbarungen darüber. – Sich dessen bewusst zu machen und es für sich und im Miteinander zu gestalten, wird heutzutage unter anderem mit ‚Corporate Identity’ bezeichnet. Wie umstritten manche Lösungen für die Zukunft sind erleben wir tagtäglich, und es gibt keinen Lebensbereich der davon ausgenommen wäre. Mal sind wir selbst davon mehr, mal weniger betroffen. Zur Anschauung des Gemeinten seien hier beispielhaft erwähnt: ‚Grundeinkommen für alle’, ‚Einführung der Gesundheitskarte für jede und jeden’. ‚Gleichgeschlechtliche Partnerschaften und ihre Rechtsstellung’, ‚Rettungsschirme innerhalb der Europäischen Gemeinschaft’.
Und dann ist da ja noch das Welt-Untergangsszenarium im Jahr 2012. – Immer hat es solche Weltuntergangsvorstellungen gegeben – seien sie nun erlösend oder verdammend ausgerichtet -. Wären sie bisher eingetroffen, würde diese Zeitschrift mit diesem Schwerpunktthema nicht mehr erscheinen können! Und doch beschäftigen solche Schlagzeilen uns immer wieder und niemand kann sich dem entziehen, unabhängig davon wie viel oder wenig man selbst diesen Glauben schenkt oder nicht.
Einfache Lösungen – so verlockend sie auch sein mögen – gibt es in der Frage nach der Zukunft nicht. Und letztendlich ist jede Einzelne selbst gefragt sich eine tragfähige, motivierende und für die eigene Lebenswirklichkeit haltbare Antwort zu geben. Aus der Fülle an Literatur zu diesem Thema und seiner Betrachtung wollen die hier ausgewählten Artikel dabei eine positive Orientierung geben und anregen sich selbst auf den Weg zu begeben seine Zukunft bewusst in die Hand und in sein Herz zu nehmen.
Die hier vorliegenden sechs Artikel beleuchten jeder auf seine Weise einige Aspekte des Zukünftigen und laden auf ganz unterschiedliche Weise dazu ein das Augenmerk auf das grundsätzlich Offene der Zukunft und auf die damit gegebenen Chancen zu richten: sich die menschliche Dreiheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu vergegenwärtigen (!) und – wie aus einem zitiert – sich darüber bewusster zu werden: „In unseren Hirnen ist ein komplettes Muster mit Annahmen über den (zukünftigen) Verlauf der Dinge abgelagert. In jeder Gesellschaft herrscht eine kollektive Vereinbarung über die Art und Weise, wie sich die Dinge und Verhältnisse entwickeln.“
Norbert C. Korte
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Ende der Dunkelheit bedeutet jährlich die Wintersonnenwende, der wir als Menschen die kalendarische Jahreswende an die Seite gestellt haben. – Es bedeutet auch den Blick in die Zukunft zu lenken und in ihrem Licht zwischen Hoffnung und Befürchtung die eigenen Entscheidungen zu treffen und sie praktisch handelnd Wirklichkeit werden zu lassen. Das gilt sowohl auf allen Ebenen unseres Lebens, den privaten und beruflichen, als auch in den Lebensfeldern, die wir selbst gestaltend in der Hand haben und in denen, wo wir uns scheinbar machtlos anderen ausgesetzt fühlen.
Die christliche Kultur und Ihr Verständnis von Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit sieht in der Zeit der 14 Raunächte zwischen der Geburt eines besonderen Kindes am 24. Dezember und seinem Erscheinen vor der Welt, das wir mit den Heiligen Drei Königen am 6. Januar feiern, ebenso eine besondere Zeit der Bewusstwerdung, die aufmerksam machen kann darauf, dass das Leben nach vorn gelebt werden will und nach hinten verstanden werden kann.
Und an dieser Stelle ein Zitat, das lockt genauer ‚hinzulesen’, was es denn mit Zukunft auf sich hat: ‚Die Menschen interessieren sich gar nicht wirklich für die Zukunft. Sie interessieren sich eher für die Verlängerung der Vergangenheit ins Morgen. Genau das aber hat die Zukunft nicht im Programm.’ (Matthias Horx) – Umbrüche, Abbrüche und Aufbrüche sind, wenn nicht allerorten, so doch an vielen Orten zu spüren. Und machen auch vor dem vielseitigen Berufsfeld der Hauswirtschaft nicht halt.
In dieser fundus-Ausgabe haben 6 Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Fachgebieten und mit verschiedenen Ansätzen den Blick auf die Zukunft gerichtet und laden ein die jeweils eigenen ‚Zukunftsvorstellungen’ daran zu messen: Auf ihre Stimmigkeit, auf ihre Wirksamkeit, auf ihre Aussagefähigkeit.
Als persönliche Anmerkung sei mir – der in dieser Ausgabe das Schwerpunktthema als Ideengeber gestaltet und als Lektor bearbeitet hat – die Erinnerung an die Anfangszeit des fundus erlaubt. Damals bedurfte es eines hoffnungsvollen und zuversichtlichen Blickes in die Zukunft, um den fundus in seinem bald beginnenden 19. Jahrgang auf einem in der Fachliteratur beachteten Platz zu sehen.
Wir, die Autorenschaft dieser Ausgabe und das Redaktionsteam wünschen Ihnen, zwischen den Jahren 2011 und 2012 Zeit und Lust sich dem fundus und seinem Schwerpunktthema zu widmen und im eigenen Gegenwärtig-Sein eine gute, bewusste Balance zu finden zwischen Vergangenem und Zukünftigen. – Schließen möchte ich mit einem Zitat aus einem der Beiträge, das gleichzeitig als Glückwunsch und ‚guter Vorsatz‘ auch für das neue Jahr verstanden sein will: „Eine positive Einstellung zur Zukunft. Dazu gehört es, dass wir tun, was uns glücklich macht, bzw. dass wir meiden, was uns unglücklich macht. Denn nicht die errungenen Erfolge schenken uns Glück, sondern der Weg dorthin.“ Tragen einzelne Beiträge dazu bei, diesem Ziel näher zu kommen, ist diesem Heft ein schöner Erfolg beschieden.
Norbert C. Korte
Inhalt der Ausgabe
Leseproben aus dem Inhalt
- 542,72KB Einladung
- 23,00KB Einführung in das Thema
- 96,94KB Hauswirtschaft: Vielfältig - Nachhaltig - Zukünftig
- 80,45KB Alzheimer Erkrankung - frühe Erkennung und was dann?
- 89,20KB Migration und Integration
- 206,21KB Alle Jahre wieder ...
- 62,97KB Grußwort der Bundesvorsitzenden / Junges Forum MdH
- 128,02KB Rezensionen Bücher und Medien
- 64,79KB Fort- und Weiterbildungsangebote
